Headhunter
Qual oder Hilfe?
Der Ausdruck Kopfjäger ist zwar nur wenig beliebt, der Berufsstand der Headhunter erfreut sich jedoch umso größerer Beliebtheit bei Unternehmen und Stellensuchenden. Denn Headhunter, die sich heute bevorzugt Executive Search Berater, Executive Researcher bzw. Personalberater nennen, liefern den Unternehmen passgenau ausgewählte Bewerber und den Angeworbenen verhelfen sie möglicherweise zum Traumjob.
Personalberater erfüllen mittlerweile viele Aufgaben: Sie vermitteln Manager mit langjähriger Berufserfahrung, ab und an sogar Hochschulabsolventen - und die Chancen, durch sie einen Job zu bekommen, stehen nicht schlecht. Denn zahlreiche Stellen werden Jahr für Jahr durch Vermittlung einer Personalberatung besetzt. Dabei gibt es klare Branchenpräferenzen: Marketing und Vertrieb, Finanzdienstleistung, IT- und TK-Branche sowie verarbeitendes Gewerbe.
Wie arbeiten Personalberater?
Der Unterschied zwischen der Jobvermittlung durch einen Headhunter und der Bewerbung bei einem Unternehmen besteht vor allem darin, dass Ersteres persönlicher vonstatten geht. Denn Headhunter interessieren sich sehr für persönliche Kontakte zu Kandidaten, weil sie so ihre Aufträge leichter erfüllen können. Hierzu besorgen sie sich Kontaktadressen und rufen dort sogar während der Arbeitszeit an. Deshalb spielen Verschwiegenheit und gegenseitiger Respekt eine große Rolle bei der Stellenbesetzung durch Headhunter. Somit haben auf Dauer nur ehrliche Vermittler zwischen Unternehmen und Fachkräften Erfolg, weil falschspielen schnell die Geschäftsbasis ruiniert.Zunächst bemüht sich der Headhunter, einen Auftrag zur Besetzung einer Position zu bekommen. Sein Honorar bemisst sich in der Regel nach dem Gehalt der zu besetzenden Position (ca. ein Drittel des Jahresgehalts der Position). Fällig wird das erste Drittel des Honorars zumeist bei Auftragserteilung, das zweite bei Vorstellung geeigneter Kandidaten und das letzte Drittel nach Einstellung und Unterschrift des Kandidaten. Darum werden Personalberater erst tätig, wenn eine Position mit einem bestimmten Jahresgehalt zu vergeben ist. Jeder Berater legt dabei einen individuellen "Einstiegswert" fest (oft sind das 50000 Euro oder mehr).
Weil sie in der Regel erfolgsabhängig entlohnt werden, arbeiten Personalberater äußerst effizient: Die meisten spezialisieren sich auf eine Branche, die sie häufig aus eigener Erfahrung kennen, so dass sie die Anforderungen gut beurteilen können. Nach Auftragserteilung und Abstimmung des Stellenprofils mit dem Kunden, sucht der Personalberater nach geeigneten Kandidaten. Da dies oft sehr aufwendig ist, durchsucht er zur Minimierung des Aufwands zunächst seine eigene Datenbank nach Kandidaten, die er kennt. Zudem halten Researcher in bestimmten Branchen nach Zielkandidaten Ausschau halten und rufen dort an.
Wie Sie sich dann am besten verhalten, erfahren Sie hier.
Soweit der "klassische Weg" - allerdings kann man den Spieß auch umdrehen: Mittlerweile rufen Bewerber Headhunter an, um ihre Karriereplanung in die Hand zu nehmen. Wechselwillige Fachkräfte, die die Adresse eines Personalberaters kennen und dessen Aufmerksamkeit auf sich ziehen können, haben bei der Jobsuche meist bessere Karten, denn Personaldienstleister bilden einen wichtigen Teil des unsichtbaren Stellenmarktes, weshalb sie durchaus die passende Position im Bestand haben können und direkten Kontakt zu Unternehmen herstellen können. Zudem suchen Personaldienstleister gute Leute und freuen sich darum über (Initiativ-)Bewerbungen.
Weil Headhunter letztlich aber im Arbeitgeberauftrag Schätze aufspüren sollen, sollte man unmissverständlich klarmachen, dass man ein solcher ist, wenn man auf einen Personalberater zugeht. Denn man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass Personalberater sich dem Auftraggeber verpflichtet fühlen - ein Arbeitssuchender interessiert ihn nur, wenn dieser zum Profil eines Suchauftrages passt. Deshalb erfordert auch die erfolgreiche Vermittlung durch einen Headhunter Eigeninitiative.
Wie man den Kontakt "effektiv gestalten" kann, erfahren Sie hier.
Wen sprechen Headhunter an?
Insgesamt werden mehr Stellen mit Hilfe des Executive Research besetzt, denn nicht zuletzt das Internet gestaltet den Stellenmarkt so komplex, dass viele Unternehmen verantwortungsvolle Positionen zunehmend mithilfe externer Personalprofis besetzen lassen. Und obwohl diese sich nicht mehr zwingend nur für Fach- und Führungskräfte interessieren, helfen ihre Dienste längst nicht allen Arbeitssuchenden weiter: Zwar werden Personalberater inzwischen auch im Nachwuchsrecruitement tätig, doch weiterhin können nur ausgesuchte Experten und Hochbezahlte auf ihre Vermittlungsdienste bauen. Wer über spezielles, gefragtes Fachwissen verfügt, personal- bzw. budgetverantwortlich ist oder in leitender Funktion tätig ist, hat gute Karten. Dies gilt auch für Personen mit Empfehlung von Dritten oder mit einem Namen in der Fachwelt.Weil Personalberatungen prinzipiell an Daten und Lebensläufen von Fach- und Führungskräften interessiert sind, bleiben vielversprechende, aber momentan nicht vermittelbare Kandidaten in der Personaldatenbank. Allerdings ist die Pflege solcher Datenbanken aufwendig, weshalb Personalberatungen die Aufnahme von Bewerberseite unterschiedlich handhaben: Manche wollen nur einen Kurzlebenslauf, andere vollständige Bewerbungsunterlagen – lediglich in einem Punkt sind sich eigentlich alle einig: Sie wollen die Daten elektronisch - zur Ablage in der Datenbank. Ob eine Personalberatung interessiert ist und was sie bevorzugt, sollte man als Wechselwilliger möglichst klären, bevor man voreilig Unterlagen verschickt. Dies gilt auch und gerade für Uniabsolventen, mit denen längst nicht alle Headhunter etwas anfangen können: Sie sollten sich eher bei den kleineren Personalberatungen "bewerben", die sich auf bestimmte Branchen spezialisiert haben. Doch welche Personalberatung ist die richtige?
Zunächst sind Headhunter meist branchenbezogen spezialisiert. Wer sich also selbst an einen Headhunter wenden will, sollte genau überlegen, in welcher Branche er arbeiten will und demgemäß richtige Ansprechpartner ermitteln. Diese findet man beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) bzw. in der Mitgliederliste der "Vereinigung Deutscher Executive Search Berater" (VDESB). So erfährt man, wer für welche Branche arbeitet und auch in welche Funktionsebenen er besetzen kann.
Wer bezahlt den Headhunter?
Executive Search Berater suchen im Auftrag eines Unternehmens nach geeigneten Persönlichkeiten für dessen Anforderungen und vergleichen Mandate mit vorliegenden Profilen. Sie arbeiten also im Auftrag von Arbeitgebern und sind demnach auch nur diesen verpflichtet. Selbst wenn sie Initiativbewerbungen ausgesprochen spezialisierter Kräfte begrüßen: Seriöse Headhunter suchen oder vermitteln keine Jobs gegen Entgelt vom Bewerber. Wer Geld von Kandidaten nimmt, handelt einem BDU-Grundsatz zuwider.
